Fünf Tipps wie Sie Ihr Kind tatsächlich vor sexuellen Übergriffen schützen können

MAMA

In Vorträgen werde ich immer wieder gefragt, wie Eltern ihre Kinder am besten vor sexuellen Übergriffen schützen können. Eltern sollten wissen, dass sexuelle Gewalt zu 85 Prozent Männersache und zu etwa 15 Prozent Frauensache ist. Langjährige „Täterkarrieren“ beginnen meist im Jugendalter. Übergriffe finden durch Jungs und Mädchen ab 12 Jahren bis ins Großelternalter statt. Ich werde, im Bewusstsein, dass es auch weibliche Täterinnen gibt, in der männlichen Form schreiben.

Wie schützen Sie Ihre Kinder vor sexuellen Übergriffen:

Seien Sie ein gutes Vorbild, sagen Sie Ihren Kindern klar „ja“ oder „nein“.

Sagen sie ihrem Kind ganz deutlich, was sie von ihm möchten und was es bitte lassen soll. Kleine Kinder lernen durch Ihr Vorbild „ja“ und „nein“ zu sagen und darauf zu bestehen. Klare konsequente Grenzen geben Ihrem Kind Sicherheit. Es erlebt keine Willkür. Es weiß genau, woran es ist. Es erlebt Beziehung als berechenbar.

Reagieren Sie heute aufgebracht und gehen morgen darüber hinweg, gibt es keine Verlässlichkeit. Ihre Launen geben den Ton an. Ihr Kind weiß nie, was es erwartet. Damit öffnen Sie potentiellen Tätern Tor und Tür! Täter spielen mit der Unsicherheit ihrer Opfer.

Machen Sie sich klar, potentielle Täter leben in Ihrem Nahfeld, es sind keine Fremden

Ich möchte Sie nicht erschrecken, aber die Realität ist so, auch Sie kennen einen Täter. Sie finden ihn nett und hilfsbereit und Sie würden ihm nie so etwas Böses zutrauen. Täter leben fast unauffällig in Ihrer Familie, Ihrem Freundeskreis – sie sind Pädagogen, Trainer, Nachbarn und Kollegen beiderlei Geschlechts.

Den fremden Vergewaltiger gibt es nur in 0,05 Prozent, den fremden Exhibitionisten in etwa 10 Prozent der Vorfälle. Diese Täter werden dann medienwirksam vermarktet und nähren das Ammenmärchen vom bösen fremden Mann. In der Realität kennen Sie oder Ihr Kind den Täter gut. Sie vertrauen ihm.

Entwickeln Sie Bewusstsein für beliebte Strategien, die Täter anwenden!

Sie sollten Täterstrategien kennen, um sich nicht einwickeln zu lassen. Der Täter wird erst gezielt Ihr Kind und dann Sie verwirren. Ihr Kind ist viel zu klein, es kann diese freundliche, bösartige Manipulation nicht durchschauen. Wache Erwachsene sind seine einzige Chance:

  • Er wird Ihrem Kind eine lang gehegte Sehnsucht erfüllen.
  • Er wird alles tun, um Ihr Vertrauen zu erwerben und um sicher zu sein.
  • Er wird Ihnen schmeicheln, was für ein besonderes Kind Sie haben.
  • Er wird Ihnen anbieten, Ihr Kind besonders zu fördern und sie zu entlasten durch „liebevolle“ Betreuung ihres Kindes.
  • Ihr Kind muss den Täter mögen und Sie ihm vertrauen, erst dann kann er, als nächsten Schritt, einen kleinen „Testübergriff“ wagen.
  • Haben Sie sich verwirren lassen und Ihr Kind war in seiner Verwirrung nicht grenzsicher und stark genug das Weite zu suchen, beginnt eine Beziehung, in der gezielt die ungestillten Sehnsüchte ihres Kindes bedient werden und als Preis dafür sexuelle Übergriffe erduldet werden müssen. Ihr Kind kann sich Ihnen dann nicht mehr anvertrauen, weil es versprochen hat nichts zu sagen, gar nicht durchschauen kann, was ihm widerfährt und sich dazu ganz furchtbar schämt und schuldig fühlt.

Erschreckenderweise ist der statistisch deutlichste Risikofaktor für ein Kind, wenn seine Mutter selber als Kind sexuelle Gewalt erlebt hat. Geben Sie in diesem Fall guten Freunden und Lehrern den klaren Auftrag, Sie wachsam zu unterstützen.

Tun Sie viele Dinge mit Ihren Kindern, die wirklich Sinn machen.

Kleine Kinder verstehen heute nicht mehr was Mama und Papa tun. Wozu es gut sein soll auf einen Bildschirm zu starren, mit den Fingern auf Tasten zu drücken, mit jemandem zu reden, der gar nicht da ist, Wäsche und Geschirr reinzustecken und wieder rauszuholen, das wird lange dauern, bis das für Ihr Kind Sinn macht. Zuerst erlebt es, die sind ja ganz lieb zu mir, aber die Welt ist total unverständlich. Ich bin total angewiesen auf die beiden.

Gönnen Sie ihrem Kind einen regelmäßigen, gemeinsamen Ausflug in die Welt der urmenschliche Tätigkeiten: Holz sammeln, Feuer machen und Wasser darauf kochen oder etwas braten, Brot oder Brötchen backen, einen Tisch oder ein Regal bauen, etwas Leckeres zerschneiden, würzen, dünsten, auf Teller füllen und gleich aufessen, den Topf mal zusammen abwaschen. Kletterbohnen säen und ernten können sie auch im Balkonkasten.

Wie fühlt sich ihr Kind? „Ich hab’s drauf, ich kann helfen! Ich verstehe einen Teil der Welt und auf mich kommt’s hier auch an!“ Da entsteht echtes Selbstbewusstsein. Sie schlagen sogar gleich drei Fliegen mit einer Klappe: Ihr Kind bekommt von Ihnen die Zuwendung, nach der es sich sehnt, es erlebt sich als selbständig, fähig und stark und die Hausarbeit ist nebenbei auch erledigt. Kleine Kinder finden es am tollsten mithelfen zu können, Größere wollen auch mal mit einem Elternteil alleine etwas Langersehntes unternehmen.

Täter suchen gezielt Kinder aus, die unsicher sind und eine ungestillte Sehnsucht haben, mit einem vertrauten Erwachsenen etwas zusammen zu unternehmen.

Verhelfen Sie Ihren Kindern zu einem guten Grenzgefühl.

Es wird Sie erstaunen, aber unsere eigene Grenze nehmen wir über die gesamte Haut wahr. Wenn wir „aus der Haut fahren“, sind wir nicht mehr bei uns, wir haben keine Kontrolle mehr über unsere Situation.

Ein stabiles Grenzgefühl über die Haut wird durch kräftige Ganzkörpereindrücke gestärkt. Rubbeln Sie Ihr Kind von Kopf bis Fuß ab, machen sie „Kuschelkämpfchen“ mit ihm, lassen Sie es über eine Wiese den Abhang hinunterrollen, „verpacken“ sie es gut in anliegender Kleidung. Lassen Sie sich was einfallen, um das Grenzerleben Ihres Kindes täglich zu stärken.

Seelisch stärken Sie das Grenzgefühl Ihrer kleinen Kinder über klare Gewohnheiten: wenn wir aufstehen, machen wir es so, wenn wir frühstücken, geht es immer so, auf der Straße gebe ich immer die Hand. In jeder Situation erwarten Sie selbstverständlich von ihrem Kind, dass es sich so benimmt. Gelingt es mal nicht, hängen Sie zusammen die Jacke an den richtigen Haken und stellen die Stiefelchen ins Regal.

Später im Schulalter, schützen Sie Ihr Kind im öffentlichen Raum durch klare Verabredungen. „Tu es bitte so, und mach bitte nicht das, ich vertraue Dir.“

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Fünf Dinge, an denen sie erkennen können, ob Ihre Kinder an einem möglichst sicheren Ort sind

SCHAUKEL

Körperliche und sexuelle Gewalt fällt nicht vom Himmel. Sie ist überall, wir sind ja alle nur Menschen. Viel Gewalt entsteht durch Überforderung. Andere Gewalt ist geplant und wird strategisch Schritt für Schritt umgesetzt Sie gedeiht einerseits in einem Milieu mit extrem rigiden Gesetzen und autoritärer Führung. Andererseits bei Führungslosigkeit, undurchschaubaren, unklaren Regeln und heimlichen Machtstrukturen.

Sie merken spätestens, dass etwas nicht stimmt, wenn sie Fragen haben oder Kritik anbringen wollen und keinen klaren Ansprechpartner finden. Ihr Anliegen verläuft im Sand oder wird dramatisiert. Im Gegensatz dazu schrecken Orte, die transparent und sachlich auf ihr Anliegen eingehen, Täterpersönlichkeiten eher ab.

Relativ sichere Orte zeichnen sich dadurch aus:

Es gibt transparente Machtstrukturen mit klaren Aufgaben- und Verantwortungs-Bereichen

Gibt es eindeutige Regeln und Rechte, die für alle gleichermaßen, auch für die Leitungsebene gelten, können sie Vertrauen fassen. Für jeden Bereich gibt es einen verantwortlichen Mitarbeiter, der auf das Einhalten der gemeinsamen Regeln achtet. Die Regeln dürfen hinterfragt und durch Beschluss geändert, aber nicht einfach umgangen werden.

Fehler dürfen passieren, benannt und besprochen werden

In elitären, idealistisch- oder religiös geprägten Gemeinschaften, wurden in den letzten Jahren sehr viele Grenzverletzungen aufgedeckt. Sie scheinen ein Nährboden für Gewalt zu sein. In solchen Institutionen leben hohe Ideale und die Wirklichkeit soll ihnen genau entsprechen. Es darf kein Fehler passieren. Fällt ein Mitarbeiter durch Grenzübertritte auf, wird darüber hinweg geschaut, geschwiegen oder ihm unauffällig gekündigt. Der Tatverdächtigte kann dann stillschweigend in einer anderen Arbeitsstelle weitere Opfer finden.

Ein pädagogischer Ort, der sich bewusst ist, dass jeder von uns immer wieder Fehler machen wird, ist weniger gefährdet. Unter fachlicher Supervision wird die Dynamik einer grenzüberschreitenden Situation für alle im Team deutlich gemacht. Konkrete Lösungen werden gesucht, wer hätte unterstützen können, was hätte stattdessen getan und gesagt werden können. Es geht zuerst mehr darum gemeinsam Lösungen zu finden.

Fällt ein Mitarbeiter immer wieder durch Grenzunsicherheit auf, wird das Problem in regelmäßigen Mitarbeitergesprächen angesprochen, Fortbildungen zur Persönlichkeitsentwicklung angeboten und klare Verabredungen getroffen. Wenn die nicht eingehalten werden, gibt es Abmahnungen Kündigungen und auch Anzeigen.

Jeder Mensch, der diesen Ort betritt, wird in das Gewaltpräventions- Konzept eingeführt und unterschreibt eine Selbstverpflichtung

Fragen Sie, ob es ein Konzept gibt. Werden Sie erstaunt angeschaut und hören, dass hier nur liebenswerte Menschen arbeiten und Gewalt kein Thema ist, suchen Sie lieber einen anderen Ort. Hören Sie, das Konzept ist noch in Arbeit, schauen Sie es sich an und fragen, wer wie oft daran arbeitet. Arbeiten alle regelmäßig daran, hat das Kollegium sicher einen wachen Blick für Grenzverletzungen. Gibt es ein fertiges Konzept, fragen sie, wie es genau in der täglichen Praxis umgesetzt wird. Liegt es nur in der Schublade, seien Sie vorsichtig. Erst wenn alle jeden Tag mit Gewaltprävention umgehen, sinkt das Risiko.

Es gibt eine fachkompetente, interne Meldestelle oder eine dauerhafte Zusammenarbeit mit einer externen Beratungsstelle

Fragen sie nach kompetenten, speziell ausgebildeten Mitarbeitern für Gewaltprävention. Gibt es sie, notieren sie deren Sprechzeit und Telefonnummer. Nehmen sie Ihre Aufgabe als Eltern ernst, wann immer sie einen Hinweis auf verbale, körperliche und sexuelle Gewalt geben können, rufen sie dort an. Gewalt, die nicht angeschaut wird, wuchert unkontrolliert. Diese Meldestellen unterliegen der Schweigepflicht, dort können sie unsortiert, verwirrende Wahrnehmungen äußern und ein Spezialist hilft ihnen sie einzuordnen.

Die Beratungsstelle hat die Aufgabe jeden in das Gewaltkonzept einzuführen und für jedes Kind, jedes Elternteil, jeden Praktikanten, Auszubildenden und Mitarbeiter Ansprechpartner zu sein.

Last, but not least, die Mitarbeiter der Meldestelle sollten völlig unabhängig von der Leitungsebene sein. Sie sollten nicht mit ihr verheiratet, verschwägert, verwand und befreundet sein. Denn einerseits hat die Leitung aus ihrer Gesamtverantwortung die Aufgabe, den guten Ruf der Institution an die erste Stelle zu stellen und vielleicht kleinere Vorfälle herunterzuspielen. Andererseits waren unter den bekannt gewordenen Tätern auch Leitungspersönlichkeiten, die ihre Macht ausgenutzt haben, um Übergriffe zu vertuschen.

Ein Vertrauensstellen Mitarbeiter hat keinen Rollenkonflikt, er vertritt allein die Interessen der Opfer.

Jeder Mitarbeiter vom Fahrer bis zum Praktikanten, legt regelmäßig ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis vor

In einem erweiterten polizeilichen Führungszeugnis stehen auch Vorfälle, zu denen ermittelt wurde ohne eine Verurteilung. Zur Zeit werden in Deutschland nur 1% der Täter verurteilt. Einerseits wird auf viele Anzeigen verzichtet, um die Opfer nicht durch Aussagen vor Gericht weiter zu belasten, andererseits ist die Beweislage oft sehr schwierig. In einem normalen Führungszeugnis steht aber nur ein Vermerk nach einer Verurteilung. Nicht verurteilte Täter können so ungestraft in vielen Institutionen nacheinander ihr Unwesen treiben.

Fragen sie nach ob bei Verdacht auf körperliche und sexuelle Gewalt, in der Vergangenheit, Anzeige erstattet wurde, dann haben sie es mit mutigen Mitarbeitern zu tun. Denn nur durch eine Anzeige, erscheint der Ermittlungsvorgang im erweiterten polizeilichen Führungszeugnis und warnt potenzielle weitere Arbeitgeber.

Ihnen kommt als Eltern eine wichtige Aufgabe in der gesellschaftlichen Gewaltprävention zu. Wenn zu einem wichtigen Entscheidungskriterium für Eltern wird, ob eine Institution Gewaltprävention betreibt, müssen sich auch hartleibige Einrichtungen wandeln oder mangels Nachfrage schließen.

Darf ich sie noch ein wenig beruhigen, die Zahl der Übergriffe geht langsam zurück, weil es immer mehr wache und mutige Menschen gibt. Lassen Sie uns gemeinsam so weitermachen!

Fünf Orte, an denen Täter Kontakt zu ihren Opfern aufbauen

KINDESMISSBRAUCH

In der Familie

Viele Jungen und noch mehr Mädchen werden von Familienangehörigen missbraucht. Sie erleben oft jahrelange Übergriffe durch deutlich ältere Geschwister/Cousins/Cousinen, Väter/Mütter, Onkel/Tanten, Großväter und Großmütter. Oft besteht ein besonders inniges Verhältnis zwischen Täter und Opfer. Die Liebe des Opfers ermöglicht die Übergriffe erst. Der Täter definiert Sexualität als normal in liebevollen Beziehungen oder er redet dem Kind sogar ein, ihn verführt zu haben. Kinder wissen oft gar nicht, was sie erleiden und fühlen einen schmerzhaften Verlust, wenn sie vom Täter getrennt werden. Erst wenn Kinder älter werden und Sexualität verstehen, begreifen sie, wie sie benutzt wurden.

Das Problem dieser missbrauchten Kinder bis ins späte Alter ist, dass sie sich nicht abgrenzen können, dass sie in vorauseilendem Gehorsam versuchen, es allen recht zu machen, dass sie sich für alles verantwortlich fühlen, dass sie ständig glauben es liegt an ihnen, wenn etwas nicht gelingt. Durch die zu frühe Sexualisierung in der Kindheit haben sie eine ihnen unbewusste, starke erotische Ausstrahlung, die immer wieder Täterpersönlichkeiten anlockt.

In alleinerziehenden Familien durch eine neue Partnerschaft

In alleinerziehenden Familien lebt in den Kindern die Sehnsucht nach dem anders geschlechtlichen Elternteil. Täter nutzen diese Sehnsucht oft für ihre Zwecke. Sie engagieren sich für die Kinder, machen sich beliebt, gewinnen das Vertrauen des Elternteils und des Umfeldes. Niemand ahnt die böse Absicht.

Im dauerhaften familiären Nahfeld

Täter können oft sehr gut mit Kindern umgehen. Sie sind charismatische Pädagogen, Lehrer, Priester, Trainer, Musiklehrer, Therapeuten oder Mitarbeiter in ihrer Firma. Diesen liebenswerten Menschen würden Sie nie solche Taten zutrauen.

Sie können drei Tätergruppen unterscheiden: pädophilsexuelle oder heterosexuelle Missbrauchstäter und/oder kindlich gebliebene, wenig verantwortungsbewusste, schlecht abgegrenzte, suchtabhängige Menschen.

Pädophile Männer, es gibt auch wenige Frauen, sind sexuell nur von Kindern eines Geschlechts und Alters angezogen. Sie suchen gezielt nach kindlichen Sexobjekten, da Erwachsene sie erotisch gar nicht ansprechen. Zur eigenen Tarnung gehen sie manchmal offiziell Beziehungen mit erwachsenen Frauen/Männern ein. (Der Vergleich pädophil gleich Kinderfreund ist irreführend. Sie würden auch niemanden, der Frauen vergewaltigt, einen Frauenfreund nennen.)

Heterosexuelle Täter sind sexuell an Frauen interessiert, leben in Beziehungen und genießen alleine den Machtkitzel, ein unschuldiges Kind zu beherrschen. Viele benutzen ein Kind zusätzlich zu sexuellen Kontakten mit dem Partner. Vermehrt werden sie zu Tätern, wenn ihre sexuellen Bedürfnisse nicht oder nicht mehr durch Frauen gestillt werden: durch Verlust des Sexualpartners, mangelnde Gelegenheit im Jugendalter, Chancenmangel durch intellektuelle Behinderung oder Mangel an Attraktivität und Selbstvertrauen.

Sexuelle Übergriffe haben häufig Suchtcharakter. Ein Täter hat zwischen 25 und 200 Opfer. Manche Täter fallen ihnen auch durch andere Verhaltensweisen auf. Sie sind alkohol-, drogen- und/oder computersüchtig, können keine Verantwortung tragen, haben kindische Hobbys und schließen sich Kindern kumpelhaft an.

Im Internet

Täter haben leichtes Spiel im Internet. Eltern stellen bis zu 56 % der Bilder, teilweise Nacktfotos, ihrer Kinder ins Netz. Sie bedenken nicht, wie „anregend“ das pädophile Täter finden.

Täter tarnen sich als Gleichaltrige, chatten, erfahren von ahnungslosen Kindern viel, das sie gezielt nutzen können, um ihr Opfer zuerst anzulocken und später unter Druck zu setzen.

Zunehmend werden Jugendliche zu Tätern: sie machen ihre Opfer durch Alkohol oder Tabletten gefügig, vergewaltigen sie, filmen ihre Tat und setzen die Filme zur Demütigung der Opfer ins Internet. Das ist gar nicht harmlos! Sie wissen, „Täterkarrieren“ beginnen im Jugendalter.

In Schwimmbädern

Ich kenne bisher nur Fälle von Männern, die im Schwimmbad Jungen eines Alters um sich scharen. Sie geben Eis, Cola, Chips und Popcorn aus, üben Salto im Wasser, um zu testen, welche Jungs sich nicht gegen wie zufällig wirkende, übergriffige Berührungen wehren können.

Ihre Opfer sind vor allem Jungen, aber auch Mädchen, die eine ungestillte Sehnsucht nach väterlicher Fürsorge haben.

Sie merken, es kommt auf uns alle an. Wir müssen uns um latente Übergriffe im öffentlichen Raum sofort kümmern. Was wir dort beobachten, wird nicht harmlos enden. Nein, es wird als massive Täuschung und Demütigung unserer Kinder enden!

Fünf Dinge, die sie wissen müssen, um zu verstehen, warum ein Mensch sexuelle Gewalt ausübt

 

Ich war sehr erstaunt, als ich mithilfe wissenschaftlicher Untersuchungen und Erfahrungsberichte besser verstehen konnte, was mir vorher unbegreiflich war. Warum Menschen hilflosen Kindern Gewalt antun.

Weil er/sie als Kind körperliche Gewalt erlebt hat

Stellen Sie sich vor, sie sind ein kleines Kind, Sie werden immer wieder von einem vertrauten Menschen geschlagen, gleichzeitig brauchen sie seine Fürsorge, um zu überleben. Er sichert ihr Überleben, deshalb kann er nicht böse sein.

Um nicht in Todesangst zu geraten, müssen sie sich selbst die Schuld geben. Der andere ist gut, Sie müssen schrecklich sein, man kann Sie nur schlagen. Diese Abspaltung macht Ihr Weiterleben möglich.

Was würden Sie als Kind tun um zu überleben?

Gewaltfantasien entwickeln. Sie sind Super-Man und haben alles im Griff.

In Ihrem ganzen Leben werden Sie aufpassen, dass Sie nie wieder die Kontrolle verlieren. Sie treten großspurig auf, spielen schon im Kindergarten den großen Macker, damit nur niemand merkt, wie viel Angst Sie haben. Weil Sie mit ihrem „Auftritt“ so beschäftigt sind, können Sie sich in der Schule nicht richtig aufs Lernen konzentrieren, Sie können nichts üben, weil Sie alles gleich können müssen. Sie werden nicht mit Leistungen glänzen.

Damit das nicht auffällt, sind Sie frech zu Lehrern und gemein zu Mitschülern, sie versetzen jetzt andere in Hilflosigkeit und sind heilfroh nie wieder die alte bodenlose Ohnmacht ihrer frühen Kindheit erleben zu müssen.

Weil die Mutter und Geschwister geschlagen wurden und er/sie nicht helfen konnte

Fast noch schlimmere Ohnmachtserlebnisse haben Kinder, die hilflos zuschauen müssen, wie geliebte Menschen geschlagen werden und sie zu schwach sind, ihnen zu helfen.Alles entwickelt sich, wie bereits ausgeführt, aber noch extremer.

Weil er/sie sexuelle Gewalt ertragen hat

Diese Gewalt kommt zumindest in der ersten Phase oft sanft daher, der Täter kriecht ihnen regelrecht unter die Haut. Sie können sich gar nicht mehr gegen ihn abgrenzen, er hat sie „besetzt“. Täter und Opfer werden wie eine Person. Sie erleben, dass immer der Wille des Täters geschieht, sie müssen immer zu Diensten sein, aber ihnen wird eingeredet, dass sie es auch wollen. Sie vertrauen ihren eigenen Gefühlen nicht mehr.

Fühlen sich schuldig, beschämt und schmutzig. Auch diese Kinder retten sich in Gewaltfantasien oder durch stumme Akzeptanz ihrer Opferrolle.

Weil er/sie die Hoffnung aufgegeben hat, liebenswert zu sein

Als Jugendliche haben sie immer wieder erlebt als dumm, hässlich und abartig abgelehnt zu werden. Alle haben geknutscht, nur sie hatten niemand. Sie hatten keine Chance. Sie haben jede Hoffnung aufgegeben, für jemanden liebenswert zu sein. Sie meinen sie müssen sich mit Manipulation und Gewalt schwächere verfügbar machen.

Weil sie sexuell nur durch Kinder angezogen werden, wie andere Erwachsene durch Frauen oder Männer

Ich durfte Interviews lesen, in denen Menschen mit Unterstützung von Fachleuten einen Weg suchen, trotz Ihrer Neigung kein Täter zu werden. Ich musste dieses Wissen erst mal verdauen: es gibt Menschen die sind nur durch Kinder erregt. Sie können ihre Sexualität nicht leben, ohne Kindern Schaden zu zufügen. Sie müssen vermeiden, mit einem Kind allein zu sein. Sie müssen manchmal ihre Erregung durch Medikamente dämpfen.

Menschen, die immer wieder Täter werden, reden sich ein, Kindern mit geschickt manipulierten sexuellen Übergriffen in keinster Weise zu schaden. Sie behaupten, die Kinder würden es auch wollen, sie würden sie in die Erwachsenen-Sexualität einführen, ja, es wäre nur zu ihrem Vorteil. Sie haben, trotz vieler Berichte ehemaliger Opfer, keine Schuldgefühle und erleben sich selber als Opfer einer prüden Gesellschaft.

Wie geht die Entwicklung der kindlichen Opfer weiter?

Opfer bleibt Opfer, Opfer wird Täter, Opfer tut sich selber Gewalt an oder Opfer schafft es mit Unterstützung ein neues Leben zu beginnen

Zu einer Identifikation als Mann gehört es nicht Opfer zu sein, es ist gesellschaftlich naheliegender sich als kraftvoller Täter zu inszenieren Haben Jungen zu viel Ohnmacht als Kind erlebt und sich in Gewaltfantasien geflüchtet, setzen sie sie in der Pubertät um. Beginnende sexuelle Fantasien mischen sich mit den Gewaltfantasien und sie brauchen handfeste Unterstützung, um nicht zum Täter der nächsten Generation zu werden.

Für Frauen ist es gesellschaftlich näher liegend, in der Opferrolle zu bleiben. Bekommen sie ein Kind, erleben sie nach der Geburt, wie sie rund um die Uhr den Willen eines Anderen erfüllen sollen. Es erinnert sie stark an ihre Kindheit, ihr altes Trauma wird wach: Sie sind wieder klein und das Baby wird zum vermeintlichen Täter.

Sie schrumpfen zum hilflosen Kleinkind und das Baby wird übermächtig. Bekommt diese Mutter in diesem Moment keine Hilfe, beginnt die Spirale der Gewalt in der nächsten Generation. Dazu kommt, dass Frauen, die in der Opferrolle bleiben, wieder potentielle Gewalttäter anziehen. Das Baby ist in großer Gefahr.

Ein anderer vermeintlicher Lösungsversuch ist, die Gewalt gegen sich Selber zu richten, durch Selbstmord, Drogenabhängigkeit oder Alkoholsucht. Schuld- und Schamgefühle treiben die ehemaligen Opfer in den Tod.

Jugendliche, die nicht in eine einvernehmliche, partnerschaftliche Sexualität finden, brauchen unterstützende Gespräche und manchmal Sexualassistenz, um diesen Entwicklungsschritt machen zu können. Ansonsten halten sie Pornografie für die übliche Wirklichkeit und Demütigung von Frauen und Kindern für angesagt.

Viele schaffen den Ausstieg aus der Gewaltspirale. Es gilt keinesfalls, „wenn Du das erlebt hast, wirst du dich so verhalten“. Jeder Erwachsene hat mehrmals die Chance, aus diesem Teufelskreis auszusteigen und ein selbst bestimmtes Leben zu führen.

Georg Ratzinger

Bruder des Expapstes und dreißig Jahre Chorleiter der Regensburger Domspatzen bezeichnet die Aufarbeitung der alltäglichen verbalen, körperlichen und sexuellen Gewalt der kindlichen und jugendlichen Sänger als Irrsinn. Bisher gibt es 700 Opfer und täglich melden sich weitere.Täter fühlen sich nie schuldig. Die Opfer schämen sich und fühlen sich schuldig. Der wichtigste Schritt in der Tätertherapie ist, die eigene unbewusste  Manipulationsstrategie anzuschauen und zu fühlen wie machtlos das Opfer war. Wie unterlegen es in körperlicher, sprachlicher, strategisch denkender, einfach in jeder Hinsicht war. Nur wenn ein Täter diesen Schritt gehen kann, ist er in der Lage endlich empathisch mit zu fühlen was er dem Opfer angetan hat.Das schaffen nur einige Täter. Die anderen belästigen die Welt mit solchen Aussagen.

Wie schütze ich meine Kinder und mich wirklich vor Gewalt

indem ich die Realität akzeptiere: sie geht selten von Fremden aus. Gewalt geht von mir und anderen nahen Menschen aus:

  •  wenn ich ein Kind unter 16 Jahren für sein Verhalten verantwortlich mache, denn es ist hirnorganisch noch nicht in der Lage dazu,
  • wenn ich ein Kind für mein Verhalten verantwortlich mache
  • wenn ich dem Kind seine eigenen Gefühle ausrede
  • wenn ich ihm einrede es möchte das Gleiche wie ich
  • wenn ich es wiederholt anschreie oder schlage
  • wenn ich es abwerte oder glorifiziere
  • wenn ich es verwöhne und damit abhängig von mir mache
  • wenn ich es zum Schmusen verleite und als Partnerersatz benutze
  • wenn ich es so cool männlich oder so süß weiblich kleide, weil ich es so attraktiv finde

 

 

Wie geh ich damit um, wenn ich in meiner direkten Nachbarschaft Gewalt erlebe?

Letzten Sonntag habe ich zufällig mitbekommen mit welchen bösen Worten unser sonst so sympathischer Nachbar seine Frau als Schlampe, Nichtskönnerin und das Letztewas- rumläuft, beschimpft hat. Nie hätte ich ihm das zugetraut. Ich stand vor dem offenen Fenster unserer Nachbarn und wartete auf meinen Mann. Die Nachbarn haben mich nicht bemerkt. Heute musste ich mit anhören, wie die Mutter mit schriller Stimme gefühlte dreißig Minuten auf ihren gerade siebenjährigen Sohn mit schriller Stimme einschreit. Sie schreit öfter kurz und immer nur, wenn ihr Mann nicht da ist. Heute hatte ich Angst um das Kind, die Mutter schien die Kontrolle über sich verloren zu haben. Was tun? Die Polizei rufen? Hat keinen Sinn für Polizei und Jugendamt hat diese Form der Gewalt noch kein Gewicht. Hingehen und einfach da sein? Sie wird sehr irritiert sein. Hingehen und sie in den Arm nehmen? Fühlt sich für mich authentisch an, aber ich spüre das könnte sie nicht annehmen.Ich war feige und habe nur gehofft, dass sie aufhört. Nächstes Mal werde ich hingehen und mich still neben die beiden stellen.